Wissensartikel für KI optimieren: So bereiten Unternehmen ihre Wissensbasis richtig vor

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KI-Assistenten und intelligente Suchsysteme wecken eine verlockende Erwartung: Die KI erschließt die relevanten Inhalte schon selbstständig – aus SharePoint, Intranet, Wissensdatenbank und allen weiteren Quellen, die ein Unternehmen nutzt. Aufwendig organisieren muss man sein Wissen dann doch nicht mehr, oder? 

Genau hier liegt ein Missverständnis. Eine KI kann zwar auf vorhandene Informationen zugreifen und diese verarbeiten. Sicherstellen, dass diese Informationen aktuell, korrekt und widerspruchsfrei sind, kann sie jedoch nicht. 

KI löst kein Wissensqualitätsproblem. Deshalb ist die Qualität der zugrunde liegenden Wissensbasis umso wichtiger. 

Je stärker Unternehmen KI für den Zugriff auf ihr Wissen nutzen wollen, desto entscheidender wird, worauf die KI überhaupt zugreift. Aus der Beratungspraxis von Serviceware zeigt sich: Aktuelle und korrekte Daten gehören zu den größten Herausforderungen in Knowledge-Projekten. Viele Unternehmen erwarten, dass ihnen die KI die Aufbereitung des vorhandenen Wissens abnimmt – eine Erwartung, die zu kurz greift, denn KI macht aus schlechtem Wissen nicht automatisch gutes Wissen. 

Warum bestehendes Unternehmenswissen häufig noch nicht AI-ready ist 

Wissen liegt verteilt in unterschiedlichen Quellen 

In den meisten Unternehmen liegt relevantes Wissen nicht an einem Ort. Ein Teil steckt im SharePoint, ein Teil im Intranet, ein weiterer Teil in einem dedizierten Wissensmanagementsystem – häufig ergänzt durch Dokumente auf lokalen Laufwerken oder in E-Mail-Postfächern. 

KI-Anwendungen können perspektivisch auf mehrere dieser Quellen gleichzeitig zugreifen. Das technische Anbinden vieler Quellen löst aber nicht automatisch das Qualitätsproblem: Wenn zum gleichen Sachverhalt unterschiedliche oder veraltete Informationen existieren, bleibt unklar, welche davon verlässlich ist – für Menschen genauso wie für eine KI. Viele Quellen anbinden zu können, ersetzt eben keine verlässliche Wissensbasis. 

Diese Herausforderung ist nicht neu. Wissen zentral und konsistent zu pflegen, gehört seit Jahren zu den Dauerbaustellen im Wissensmanagement – und verschwindet auch durch KI nicht von selbst. 

Vor der Optimierung des Contents steht manchmal die Optimierung des Prozesses 

Nicht immer liegt das Problem allein in schlecht geschriebenen Wissensartikeln. Manchmal muss zuerst der dahinterliegende Prozess geprüft werden: Ist er überhaupt sinnvoll und korrekt? Nur wenn das der Fall ist, lohnt sich die Mühe, ihn redaktionell aufzubereiten. Eine sinnvolle Reihenfolge sieht deshalb so aus: 

  1. Prozess prüfen und bei Bedarf optimieren. 

  2. Korrekte Informationen aus dem optimierten Prozess ableiten. 

  3. Informationen strukturiert aufbereiten.

  4. Erst danach die KI auf dieser Basis arbeiten lassen.


Auch die beste redaktionelle Aufbereitung hilft deshalb wenig, wenn bereits der zugrunde liegende Prozess oder die Information selbst fehlerhaft ist. AI-Readiness lässt sich nicht durch redaktionelle Kosmetik herstellen, wenn die Basis nicht stimmt. 

Was macht einen Wissensartikel KI-tauglich? 

Steht die Datengrundlage, beginnt die eigentliche redaktionelle Arbeit. Drei Prinzipien haben sich in der Beratungspraxis besonders bewährt. 

Ein Thema – eine klare Antwort 

Für KI-Anwendungen sind eindeutige Informationseinheiten hilfreich. Lange Sammelartikel, mehrere ineinander verschachtelte Themen oder umfangreiche Texte mit vielen Nebeninformationen machen es Suchsystemen und KI-Anwendungen schwerer, die passende Antwort eindeutig zuzuordnen. 

Besser funktioniert: ein klar abgegrenztes Thema, eine konkrete Fragestellung, eine direkte Antwort – kurz, prägnant und aussagekräftig formuliert. Auch in der Beratungspraxis unserer Wissensmanagement-Consultants hat sich dieses Vorgehen für Wissensartikel etabliert. 

Das heißt nicht, dass jede KI technisch zwingend genau eine Frage pro Artikel benötigt. Als redaktionelle Best Practice zahlt sich dieses Prinzip aber aus – für Nutzer:innen genauso wie für KI-Anwendungen. 

Einheitliche Strukturen und Templates verwenden 

Gleichartige Inhalte sollten wiedererkennbar aufgebaut sein. Ein Prozessartikel folgt idealerweise immer derselben Struktur – unabhängig davon, ob es um IT, HR oder Customer Service geht. Das gilt auch für andere Content-Typen wie Arbeitsanweisungen, Serviceinformationen, Produktinformationen oder Preisinformationen. 

Für wiederkehrende Content-Typen lassen sich feste Templates definieren. Das bringt mehrere Vorteile: höhere Konsistenz, bessere Orientierung für Nutzende, einfachere Wartbarkeit und sauber strukturierte Wissensinhalte, die sich für Suche und KI deutlich leichter erschließen lassen. 

In der Praxis zeigt sich: Unternehmen, die sich intensiv mit solchen Strukturen auseinandergesetzt haben, verfügen heute über eine deutlich konsistentere und besser nutzbare Wissensbasis als jene, die dieses Thema auf die leichte Schulter genommen haben. 

Informationsballast vermeiden 

Ein Beispiel aus der Beratungspraxis zeigt, wie schnell aus gut gemeinter Pflege schlechte Wissensinhalte entstehen: In einigen Kundenprojekten wurden Inhalte praktisch eins zu eins aus E-Mails in Wissensartikel kopiert – inklusive Absenderzeile und weiteren irrelevanten Angaben. Dieser Ballast wird Teil der durchsuchbaren Wissensinhalte. Die Folge: Die Suche kann nicht mehr sauber indizieren und findet die eigentlich relevanten Texte schlechter. 

In einen Wissensartikel gehört deshalb nur, was für die Beantwortung der jeweiligen Frage relevant ist. 

Redaktionelle Qualität bedeutet auch, bewusst Informationen wegzulassen. 

Metadaten geben Wissen den notwendigen Kontext 

Guter Content allein reicht nicht immer aus. Ein System muss zusätzlich einordnen können, für wen, wo und in welchem Kontext eine Information relevant ist. 

Je nach Use Case kommen dafür unterschiedliche Eigenschaften infrage, etwa: Standort, Fachbereich, betroffene Hardware oder Software, Zielgruppe, Artikel- beziehungsweise Informationstyp oder Gültigkeitszeitraum. Eine Information kann fachlich vollkommen korrekt sein und trotzdem die falsche Antwort liefern – wenn sie beispielsweise nur für einen bestimmten Standort gilt, die anfragende Person aber Informationen für einen anderen Standort benötigt. 

Die technischen Möglichkeiten zur Klassifizierung sind in vielen Wissensmanagementsystemen bereits vorhanden. In der Praxis werden sie aber oft nicht konsequent genutzt. Eine Herausforderung liegt bereits darin, festzulegen, welche Eigenschaften für die eigene Organisation überhaupt sinnvoll sind – diese Entscheidung lässt sich nicht an eine KI delegieren, sie erfordert fachliches Know-how über die eigenen Prozesse und Zielgruppen. Für IT- und Serviceverantwortliche zahlt sich diese Arbeit doppelt aus: Sie reduziert das Risiko, dass unpassende Informationen im Self-Service-Portal oder Chatbot ausgegeben werden und anschließend Rückfragen im Service Desk entstehen. 

AI-Readiness bedeutet also nicht nur, was in einem Artikel steht, sondern auch, in welchem Kontext die Information gültig ist. 

Gute Wissensartikel orientieren sich am Informationsbedarf der Nutzenden 

Doch die richtige Information im richtigen Kontext ist nur die eine Seite. Entscheidend ist auch, wie dieses Wissen für die Menschen aufbereitet ist, die damit arbeiten. Wer im telefonischen Service arbeitet, benötigt möglicherweise innerhalb weniger Sekunden eine konkrete Antwort. Wer dagegen komplexe schriftliche Anfragen bearbeitet, braucht oft ausführlichere Hintergrundinformationen. 

Daraus ergeben sich unterschiedliche Anforderungen an Länge, Detailtiefe, Struktur, Sprache und Informationshierarchie – je nach Use Case und Zielgruppe. KI-taugliches Wissen sollte gleichzeitig nutzergerechtes Wissen bleiben. Die Aufbereitung eines Artikels sollte deshalb immer vom konkreten Anwendungsfall ausgehen, nicht von einer abstrakten Vorstellung davon, was „KI-optimiert“ bedeutet. 

Warum Knowledge Governance durch KI nicht überflüssig wird 

Redaktionelle Aufbereitung ist die eine Seite der Medaille. Die andere: dafür zu sorgen, dass diese Qualität dauerhaft erhalten bleibt. 

Aktualität muss zum Prozess werden 

Ein Wissensbestand ist nie fertig. Unternehmen benötigen Prozesse, die sicherstellen, dass Inhalte regelmäßig überprüft, aktualisiert, korrigiert und bei Bedarf entfernt oder ersetzt werden. Ein einmaliges „AI-ready machen“ reicht deshalb nicht aus. Wissensqualität ist ein kontinuierlicher Prozess – kein Projekt mit festem Enddatum. 

Verantwortlichkeiten und Ressourcen festlegen 

Eine der größten Herausforderungen in Wissens-Projekten ist die Bereitstellung ausreichender Ressourcen. Ein Bild aus der Beratungspraxis bringt das auf den Punkt: Ein zweiköpfiges Knowledge-Team soll den kompletten Wissensbestand eines großen Fachbereichs aufbauen und pflegen – verfügt selbst aber nur über einen Teil des dafür nötigen Fachwissens. Das Ergebnis lässt sich kaum vermeiden: Die Aufbereitung bleibt lückenhaft, nicht weil dem Team die Sorgfalt fehlt, sondern weil ihm die fachliche Grundlage fehlt. 

Deshalb braucht es die Zusammenarbeit zwischen Redaktion, Fachverantwortlichen sowie den Verantwortlichen für Prozesse und Services. Die fachliche Verantwortung für korrektes Wissen lässt sich nicht einfach an eine KI delegieren. KI kann perspektivisch Teile der Arbeit unterstützen oder automatisieren – die Voraussetzung dafür bleibt aber eine verlässliche Datengrundlage, die von Menschen sichergestellt wird. 

Für IT- und Fachverantwortliche heißt das konkret: Wissenspflege ist keine Nebenaufgabe, die nebenbei miterledigt wird, sondern eine Ressourcenentscheidung. Wer sie nicht bewusst trifft, riskiert höheres Ticketaufkommen und mehr Rückfragen, die eine gute Wissensbasis hätte abfangen können. 

Zentral oder dezentral redigieren? 

Ein Muster aus vielen Kundenprojekten: Organisationen mit einer dedizierten Redaktion, die aus gelieferten Fachinformationen konsistente Wissensartikel erstellt, kommen oft besser durch als Modelle, in denen sehr viele Personen gleichzeitig Artikel verfassen. Das ist kein Naturgesetz, sondern ein Erfahrungswert aus der Beratungspraxis – als Anhaltspunkt für die eigene Governance-Entscheidung aber wertvoll. 

Sechs Schritte: So machen Unternehmen ihre Wissensbasis AI-ready 

Die folgenden sechs Schritte fassen die wichtigsten Hebel zusammen – als Orientierung für den Einstieg oder die Standortbestimmung. 

  1. Wissensquellen erfassen: Alle Ablageorte relevanten Wissens systematisch auflisten – von SharePoint bis Wissensmanagementsystem. 

  2. Qualität prüfen: Veraltete, widersprüchliche und doppelte Informationen identifizieren und bereinigen. 

  3. Content-Typen definieren: Wissensarten unterscheiden und die jeweils passende Struktur festlegen. 

  4. Artikel standardisieren: Templates entwickeln, klare Fragestellungen formulieren und Informationsballast konsequent streichen. 

  5. Metadaten und Kontext definieren: Relevante Eigenschaften wie Standort, Zielgruppe oder Gültigkeitszeitraum festlegen und konsequent pflegen. 

  6. Governance etablieren: Verantwortlichkeiten, Prüfintervalle und Freigabeprozesse für die Wissenspflege festlegen. 

Ein zusätzlicher, oft unterschätzter Schritt: Feedback der tatsächlichen Nutzer:innen einholen und Strukturen iterativ weiterentwickeln. Niemand entwickelt beim ersten Anlauf die perfekte Struktur. Ausprobieren, Feedback einholen und nachjustieren gehören zum Prozess dazu – auch dann noch, wenn die ersten Inhalte bereits AI-ready sind. Für Knowledge-Teams ist das Fleißarbeit. Für IT- und Serviceverantwortliche zahlt sie sich aus: als verlässlichere, schneller durchsuchbare Wissensbasis, auf der sich künftige KI-Anwendungsfälle aufbauen lassen. 

Fazit: AI-Readiness beginnt bei der Wissensbasis 

KI wird den Zugriff auf Unternehmenswissen verändern und viele Prozesse vereinfachen. Die grundlegenden Anforderungen an gutes Wissensmanagement verschwinden dadurch jedoch nicht – im Gegenteil. Je stärker Systeme Informationen automatisiert finden, zusammenführen und für Nutzende aufbereiten sollen, desto wichtiger wird es, dass Unternehmen ihnen eine verlässliche Grundlage zur Verfügung stellen. 

Dazu gehören insbesondere: korrekte und aktuelle Informationen, klare redaktionelle Strukturen, sinnvoller Kontext durch Metadaten, definierte Verantwortlichkeiten sowie kontinuierliche Qualitätssicherung. 

Welche KI-Funktionen morgen zum Standard werden, lässt sich heute noch nicht vollständig absehen. Welche Grundlage sie brauchen, schon: aktuelles, strukturiertes und verlässliches Wissen. Genau damit können Unternehmen schon heute beginnen.

Wissen, das für KI bereit ist

Wissensinhalte zentral organisiert, automatisiert gepflegt und dort verfügbar, wo Service-Teams sie wirklich brauchen – im Chat, im Ticket oder im Self-Service. 

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