Laut einer Prognose von Gartner sollten die weltweiten Ausgaben für Public-Cloud-Services im Jahr 2025 auf mehr als 720 Milliarden US-Dollar steigen. Das entspricht einem Wachstum von über 20 % gegenüber 2024.
Gleichzeitig zeigt eine Umfrage von Stacklet unter mehr als 300 Cloud-Verantwortlichen, dass 78 % der Befragten den Anteil unnötiger Ausgaben auf 21 bis 50 % ihrer gesamten Cloud-Kosten schätzen.
FinOps verfolgt das Ziel, Cloud-Kosten durch eine effizientere Nutzung von Rechen- und Speicherressourcen zu optimieren und unnötige Ausgaben zu reduzieren. Welche Bedeutung die Integration von FinOps und IT Financial Management (ITFM) dabei hat und welche Best Practices sich für eine ganzheitliche Kostensteuerung eignen, haben wir bereits ausführlich erläutert.
In diesem Beitrag geht es darum, warum insbesondere eine faire und transparente Cloud-Kostenverrechnung eine entscheidende ITFM-Funktion ist, um Cloud-Ausgaben nachhaltig zu kontrollieren.
Wie transparente Verrechnung Cloud-Kosten steuert
1. Mehr Kostenverantwortung durch klare Zuordnung
Eines der zentralen FinOps-Prinzipien ist die Kostenverantwortung. Teams, die Cloud-Ressourcen nutzen, sollen auch die Verantwortung für die dadurch entstehenden Kosten übernehmen.
Eine transparente Kostenverrechnung ermöglicht es, Cloud-Ausgaben nachvollziehbar auf Abteilungen, Teams oder Geschäftsbereiche zu verteilen.
Damit schafft sie die Voraussetzung dafür, dass Fachbereichsverantwortliche, Entwickler, Application und Platform Owner sowie Controller erkennen können, welche Cloud-Kosten entstehen und wer sie verursacht.
Erst diese Transparenz ermöglicht es den Beteiligten, Verantwortung für ihre Cloud-Nutzung zu übernehmen und Ressourcen proaktiv zu optimieren.
2. Kosten durch effiziente Ressourcennutzung senken
Viele Unternehmen stellen mehr IT-Ressourcen bereit, als tatsächlich benötigt werden, oder versäumen es, ungenutzte Instanzen abzuschalten. Dadurch entstehen vermeidbare Kosten.
Beispielsweise werden Rechenressourcen teilweise mit weniger als 20 % ihrer Kapazität ausgelastet. Gleichzeitig bleiben Snapshots oder veraltete Monitoring-Logs gespeichert, obwohl sie nicht mehr benötigt werden. Diese Daten belegen weiterhin kostenpflichtigen Speicherplatz.
Weitere Ineffizienzen entstehen, wenn leistungsstarke Rechenressourcen mit langsameren Speichertechnologien kombiniert werden, etwa SATA- oder SAS-SSDs oder sogar HDD-Speicher.
Auch die umgekehrte Konstellation kann problematisch sein. Solche unausgewogenen Infrastrukturkonfigurationen verhindern, dass hochwertige Cloud-Komponenten ihr volles Leistungspotenzial ausschöpfen.
Eine transparente Cloud-Kostenverrechnung ermöglicht es Fachbereichen, Finanzabteilung und IT, Ausgabenmuster zu analysieren und mit möglichen Ineffizienzen in Verbindung zu bringen.
Auf dieser Grundlage lassen sich gezielte Maßnahmen zur Kostenoptimierung umsetzen. Dazu gehören beispielsweise Rightsizing, die Anpassung bereitgestellter Kapazitäten an den tatsächlichen Bedarf sowie die automatisierte Löschung nicht mehr benötigter Ressourcen.
3. Cloud-Betriebsmodelle systematisch optimieren
Viele Unternehmen verfolgen bei ihrer Cloud-Migration einen möglichst schnellen Ansatz. Anwendungen werden im Rahmen eines Lift-and-Shift-Verfahrens in die Cloud übertragen, ohne ihre Architektur oder Betriebsprozesse grundlegend anzupassen.
Differenziertere Migrationsstrategien, beispielsweise Replatforming, Refactoring oder Repurchasing, werden häufig zurückgestellt, da sie mehr Zeit und Ressourcen erfordern.
Infolgedessen werden moderne Ansätze für den Cloud-Betrieb nicht vollständig ausgeschöpft. Dazu zählen:
- Infrastructure as Code und Policy as Code: Automatisierte Bereitstellung und richtlinienbasierte Verwaltung der Infrastruktur.
- DevOps: Engere Zusammenarbeit zwischen Entwicklung und IT-Betrieb sowie automatisierte Entwicklungs- und Bereitstellungsprozesse.
- Autoscaling: Automatische Anpassung von Infrastrukturkapazitäten an den tatsächlichen Bedarf, beispielsweise mithilfe geeigneter Operatoren.
Werden diese Möglichkeiten nicht konsequent genutzt, bleibt der Cloud-Betrieb häufig mit hohem manuellem Aufwand verbunden und bindet erhebliche interne und externe Personalressourcen.
Gleichzeitig bleiben Kostenvorteile ungenutzt, die sich durch flexible, nutzungsabhängige Bereitstellungsmodelle für Rechen- und Speicherressourcen erzielen lassen.
Eine transparente Kostenverrechnung auf Basis von Service-Stückkosten unter Berücksichtigung der Total Cost of Ownership (TCO) ermöglicht aussagekräftige Benchmark-Vergleiche.
So lassen sich Ineffizienzen identifizieren und gezielte Optimierungsmaßnahmen ableiten, um das Cloud-Betriebsmodell langfristig effizienter zu gestalten.
4. Cloud-Ausgaben am geschäftlichen Nutzen ausrichten
Cloud-Ausgaben sollten stets in einem angemessenen Verhältnis zum geschäftlichen Nutzen stehen.
Besonders hohe Anforderungen an die Verfügbarkeit oder an weltweit geringe Latenzzeiten können die Kosten bestimmter Anwendungen erheblich erhöhen.
Dabei stellt sich die Frage, ob der zusätzliche finanzielle Aufwand durch den tatsächlichen Geschäftswert gerechtfertigt ist. Dieser kann beispielsweise darin bestehen, Ausfallkosten, Umsatzverluste oder Produktivitätseinbußen durch längere Wartezeiten zu vermeiden.
Auch der Wert einer flexiblen Skalierung der Infrastruktur sollte sorgfältig bewertet werden.
Die Vorteile kurzfristig verfügbarer Kapazitäten müssen gegen mögliche Einsparungen durch Reservierungen und Savings Plans abgewogen werden.
Eine transparente Kostenverteilung schafft die Grundlage, um Cloud-Ausgaben auf Ebene einzelner Anwendungen, Nutzergruppen und Geschäftsbereiche dem tatsächlichen geschäftlichen Nutzen gegenüberzustellen.
Dadurch können IT, Engineering, Finanzabteilung und Management fundierter darüber entscheiden, welche Kosten durch den erwarteten Mehrwert gerechtfertigt sind und wo Optimierungsbedarf besteht.
5. Budgetplanung und Forecasting gezielt verbessern
Eine transparente Cloud-Kostenverteilung liefert IT und Fachbereichen eine verlässliche Datengrundlage für Budgetplanung und Forecasting.
Wenn Teams ihre Cloud-Ausgaben genau nachvollziehen können, lassen sich zukünftige Kosten besser einschätzen und Budgets entsprechend planen.
Das reduziert das Risiko unerwarteter Budgetüberschreitungen und erleichtert es, wirtschaftliche Vorteile durch Savings Plans und Reservierungen gezielt zu nutzen.
Darüber hinaus können Unternehmen schneller auf Veränderungen der Vertragsbedingungen ihrer Cloud-Anbieter reagieren.
Das gilt insbesondere bei Preiserhöhungen, deren finanzielle Auswirkungen durch eine transparente Kostenstruktur frühzeitig bewertet und in der Budgetplanung berücksichtigt werden können.
Praxisbeispiele für transparente Cloud-Kostenverrechnung
1. Speicherverbrauch der Endanwender reduzieren
Ein Unternehmen verzeichnet stark steigende Cloud-Speicherkosten.
Durch eine transparente Kostenverrechnung für speicherintensive Endanwenderservices wie SharePoint, E-Mail und File Services lässt sich nachvollziehen, welche Geschäftsbereiche durch ihr Nutzungsverhalten maßgeblich zur Kostenentwicklung beitragen.
Auf dieser Grundlage können konkrete Einsparpotenziale je Geschäftsbereich identifiziert werden.
Eine mögliche Maßnahme besteht darin, ältere oder selten benötigte Nutzerdaten auf kostengünstigere Speicherklassen auszulagern.
Natürlich kann die Archivierung oder Löschung bestimmter Daten mit Einschränkungen für die Anwender verbunden sein.
Beispielsweise können sich die Wiederherstellungszeiten verlängern. Bei einer endgültigen Löschung stehen die betreffenden Daten nicht mehr zur Verfügung.
Werden die damit verbundenen Einsparpotenziale jedoch transparent dargestellt, fällt es leichter, gemeinsam mit den Fachbereichen tragfähige Kompromisse zu finden.
Dazu können verbindliche Regeln gehören, nach denen Daten nach bestimmten Zeiträumen automatisch archiviert oder unter Berücksichtigung geltender Aufbewahrungspflichten gelöscht werden.
Damit sich diese Einsparpotenziale tatsächlich realisieren lassen, müssen die entsprechenden Prozesse automatisiert und die benötigten Speicherkapazitäten anschließend reduziert werden.
2. Backup-Services optimieren und Kosten reduzieren
Ein Kundenunternehmen stellte fest, dass die Speicherkosten für seine Anwendungen über mehrere Jahre hinweg schrittweise anstiegen.
Figure 1 - Cloud Storage Cost Time Series
Ein wesentlicher Kostentreiber war die Erstellung von Snapshots im Rahmen regelmäßiger Release-Upgrades und Updates.
Die Anwendungsteams erstellten dabei teilweise mehrere Snapshots, sowohl für die Anwendungen selbst als auch für die zugrunde liegenden Datenbanken.
Diese Snapshots wurden nach Abschluss der Arbeiten jedoch häufig nicht gelöscht.
Um dem steigenden Speicherverbrauch entgegenzuwirken, führte das Unternehmen etwa alle drei Jahre ein Projekt durch, bei dem nicht mehr benötigte Snapshots manuell identifiziert und entfernt wurden.
Diese Maßnahme konnte den Kostenanstieg kurzfristig teilweise begrenzen.
Die bis dahin bereits angefallenen Cloud-Speicherkosten, beispielsweise in den Jahren 2018 und 2019 sowie 2021 und 2022, ließen sich jedoch nicht mehr rückgängig machen.
Durch eine transparente Kostenverrechnung und Kostenverteilung konnten diejenigen Application Owner identifiziert werden, deren Anwendungen maßgeblich zu diesem Kostenmuster beitrugen.
Auf dieser Grundlage waren gezielte Gespräche mit den jeweiligen Verantwortlichen möglich, um kurzfristige Verbesserungen einzuleiten.
Für eine nachhaltige Lösung wurde der bestehende Backup-Service weiterentwickelt.
Snapshots sollten künftig automatisch nach einer Woche gelöscht werden, sofern die anfordernde Person keine ausdrückliche Verlängerung beantragt hatte.
Zusätzlich wurde eine Gold-Variante des Backup-Services eingeführt, bei der keine feste zeitliche Begrenzung für die Aufbewahrung vorgesehen war.
Die Nutzung dieser erweiterten Servicevariante erforderte jedoch eine ausdrückliche Genehmigung durch die Verantwortlichen für Infrastruktur und Anwendungen.
Auf diese Weise konnte das Unternehmen klare Regeln für die Aufbewahrung von Snapshots etablieren, unnötige Speicherkosten reduzieren und gleichzeitig sicherstellen, dass Anwendungen mit besonderen Anforderungen weiterhin eine geeignete Backup-Lösung zur Verfügung stand.
Cloud-Kosten transparent steuern und gezielt optimieren
Transparente Cloud-Kostenverrechnung schafft die Grundlage für klare Verantwortlichkeiten, eine effizientere Ressourcennutzung und fundierte Investitionsentscheidungen.
Mit Serviceware Financial lassen sich Cloud-Kosten verursachungsgerecht zuordnen, Einsparpotenziale identifizieren und IT-Ausgaben gezielt am geschäftlichen Nutzen ausrichten. So wird aus Kostentransparenz eine nachhaltige finanzielle Steuerung.