Es gibt Zertifizierungen, die man macht, weil sie notwendig sind. Und es gibt Zertifizierungen, die einen daran erinnern, warum bestimmte Themen auch nach vielen Jahren Erfahrung relevant bleiben.
Mein wichtigstes Fazit vorweg: Die ITIL Foundation Version 5 vermittelt nicht nur Grundlagen des IT Service Managements (ITSM). Sie schafft ein gemeinsames Verständnis von Wertschöpfung, Zusammenarbeit und kontinuierlicher Verbesserung – Themen, die für moderne IT-Organisationen wichtiger sind denn je.
Meine Erfahrung mit der ITIL Foundation Version 5 Beta Zertifizierung war genau das: eine sehr gute, strukturierte und gleichzeitig erfrischende Auseinandersetzung mit Themen, die viele von uns – und nicht nur in der IT – täglich begleiten: Service Management, Product Management, Wertschöpfung, Zusammenarbeit, Sprache, Verantwortung und die Frage, wie moderne Organisationen Technologie wirksam einsetzen.
Natürlich muss ich dazu sagen: Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit ITIL, IT Service Management, DevOps, Value Streams und der Weiterentwicklung moderner IT-Organisationen. Deshalb war der Test für mich persönlich gut machbar. Aber genau darin liegt vielleicht auch einer der interessanten Punkte: die Zertifizierung war für mich nicht schwer im klassischen Sinne, aber sie war wertvoll. Nicht, weil alles komplett neu war, sondern weil viele bekannte Konzepte in einen aktuellen, klareren und moderneren Zusammenhang gebracht wurden.
Das Spannende an ITIL Foundation Version 5 ist aus meiner Sicht nicht nur die Prüfung selbst. Der eigentliche Wert liegt daran, dass sie eine gemeinsame Grundlage schafft.
In vielen IT-Organisationen sehen wir heute sehr unterschiedliche Welten: klassische IT Operations, agile Produktteams, Plattformteams, Cloud Services, Security, Governance, Service Desks, Automatisierung, Site Reliability Engineering (SRE), DevOps und zunehmend auch KI-basierte Ansätze. Alle diese Bereiche arbeiten an Wertschöpfung. Aber sie sprechen nicht immer dieselbe Sprache.
Genau hier kann eine Foundation-Zertifizierung helfen.
Nicht weil sie alle operativen Probleme löst. Das tut leider keine Zertifizierung. Sondern, weil sie Begriffe, Modelle und Denkweisen bereitstellt, mit denen Teams besser über Produkte, Services, Wert, Risiken, Kosten, Qualität und Ergebnisse sprechen können.
Für mich ist diese gemeinsame Sprache ein zentraler Punkt. Sprache ist nicht nur Theorie. Sprache beeinflusst, wie wir Entscheidungen treffen. Sie beeinflusst, wie wir Verantwortung beschreiben. Sie beeinflusst, wie wir Zusammenarbeit gestalten. Und sie beeinflusst, ob Business und IT wirklich über dasselbe sprechen oder nur dieselben Wörter verwenden.
Besonders wichtig für mich das Thema Value Creation (Wertschöpfung).
Gerade deshalb reicht es heute nicht mehr aus, den Erfolg von IT-Organisationen ausschließlich über Ticketzahlen oder Prozesskennzahlen zu messen. Entscheidend ist, welchen Beitrag Services und digitale Produkte zur Wertschöpfung leisten. Dieser Perspektivwechsel – von Ticket Throughput zu Value Throughput – spiegelt sich auch in vielen der Konzepte wider, die die ITIL Foundation Version 5 vermittelt.
IT wird immer noch zu oft über Aktivitäten, Prozesses, Tickets oder technische Ergebnisse beschrieben. Natürlich sind diese Dinge wichtig. Aber sie sind nicht das Ziel. Das Ziel ist Wertschöpfung: für Kund:innen, für Mitarbeitende, für Partner, für Organisationen und für das gesamte Ökosystem, in dem Produkte und Services entstehen.
Die ITIL Foundation Version 5 setzt genau hier einen wichtigen Akzent. Es geht nicht nur darum, Services zu managen. Es geht darum, digitale Produkte und Services so zu verstehen, dass sie messbaren Wert erzeugen und kontinuierlich verbessert werden können. Die offizielle Beschreibung hebt ebenfalls hervor, dass die ITIL Foundation Version 5 gemeinsames Verständnis, Wertdefinition, Governance, kontinuierliche Verbesserung sowie holistisches Denken über Menschen, Technologie und Partner unterstützt.
Das ist für mich zeitgemäß.
Gleichzeitig verändern Automatisierung, generative KI und zunehmend auch agentische KI die Art, wie Services bereitgestellt und verbessert werden. Umso wichtiger wird ein gemeinsames Verständnis von Service Management, Governance und Wertschöpfung als Grundlage für diese Entwicklung.
Denn moderne IT ist nicht mehr nur Support-Funktion. Sie ist Teil der Wertschöpfungskette. In vielen Organisationen ist sie sogar der Kern des Geschäftsmodells. Deshalb brauchen wir auch ein Service- und Produkt-Management-Verständnis, das über reine Prozesskonformität hinausgeht.
Meine klare Antwort: Für sehr viele Menschen in der IT und in anderen Bereichen, die eng mit IT zusammenarbeiten.
Nicht nur für Service Manager. Nicht nur für ITSM-Expertinnen und Experten. Nicht nur für Menschen, die in klassischen ITIL-Rollen arbeiten.
Diese Foundation kann auch für Product Owner, Plattformteams, Operations-Teams, Security-Verantwortliche, Enterprise-Architekt:innen, Prozessverantwortliche, Führungskräfte und Transformationsteams wertvoll sein. Überall dort, wo Technologieprodukte und Services gestaltet, betrieben, verbessert oder gesteuert werden, hilft ein gemeinsames Verständnis
Wer bereits ITIL-Erfahrung hat, wird vieles wiedererkennen und neu einordnen können. Wer aus agilen, Cloud-, DevOps- oder Produktorganisationen kommt, kann besser verstehen, wie Service Management heute weitergedacht wird. Und wer neu in der IT ist, bekommt eine solide Grundlage, um Zusammenhänge besser zu erkennen.
Gerade das macht eine Foundation wertvoll: Sie ist kein Endpunkt, sondern ein Startpunkt.
Eine gemeinsame Sprache für moderne IT-Organisationen
Einen stärkeren Fokus auf Wertschöpfung statt Aktivitäten
Die Verbindung von Service Management, Produktdenken und kontinuierlicher Verbesserung
Eine relevante Grundlage für Automatisierung und KI im ITSM
Ich habe den Zertifizierungsprozess als sehr gut organisiert erlebt.
Die Vorbereitung war klar strukturiert, die Folien waren gut verständlich, das Vorbereitungsmaterial hilfreich, und auch die Praxistests haben einen guten Eindruck davon vermittelt, worauf es in der Prüfung ankommt. Besonders positiv empfand ich auch das Proctoring. Es war professionell, gut organisiert und hat den Prüfungsprozess nicht unnötig erschwert. Gerade bei Online-Prüfungen ist das nicht selbstverständlich.
Der Test selbst war für mich gut machbar. Aber auch hier gilt: Durch meine Erfahrung mit ITIL und angrenzenden Themen bin ich sehr schnell durch die 40 Fragen gekommen. Für jemanden, der neu in diesen Themen ist, wird die Vorbereitung sicherlich länger dauern. Gleichzeit glaube ich, dass gerade die Vorbereitung einen hohen Wert hat, weil sie nicht nur auf die Prüfung vorbereitet, sondern auch Denkanstöße für die tägliche Arbeit liefert.
Viele Organisationen beschäftigen sich heute mit Agilität, DevOps, Cloud, Plattformen, Automatisierung, AI, Governance und Produktorientierung. Eine gute Foundation hilft dabei, diese Zusammenhänge besser zu verstehen und in einen gemeinsamen Kontext zu setzen.
Sie erinnert uns daran, dass es nicht um Methoden um Methoden willen geht. Es geht nicht darum, ITIL, DevOps, Agile oder Product Management gegeneinanderzustellen. Es geht darum, die richtigen Konzepte so zu verbinden, dass Organisationen bessere Entscheidungen treffen und nachhaltiger Wert schaffen können.
Der wichtigste Punkt ist und war schon immer mein Rat an Gesprächspartner:innen während meiner Zeit als Forrester Research Analyst: In einer IT-Welt, die immer schneller, vernetzter und komplexer wird, brauchen Organisationen nicht nur mehr Tools oder mehr Prozesse. Sie brauchen ein gemeinsames Verständnis dafür, wie Wert entsteht. Genau dafür kann die ITIL Foundation Version 5 eine sehr gute Grundlage sein.
Viele der Prinzipien, die in der ITIL Foundation Version 5 vermittelt werden, gewinnen durch den Einsatz von KI zusätzlich an Bedeutung. Wer verstehen möchte, wie agentische KI das IT Service Management verändert und welche Rolle Wertschöpfung dabei spielt, sollte sich intensiver mit den nächsten Entwicklungsschritten im ITSM beschäftigen.